Sabine Thiesler - Der Kindersammler
Heute habe ich mein Buch, "Der Kindersammler" von Sabine Thiesler endlich zu Ende gelesen.
Ich bin total begeistert von dem Buch und kann es euch wirklich nur empfehlen.
Das Buch handelt von einem brutalen Kinderschänder, der so gerissen handelt, dass er für die Polizei ein großes Mysterium aufstellt.
Man erfährt die ganze Geschichte aus mehreren Blickwinkeln, was die Geschichte sehr mitreißend wirken lässt.
Zum Beispiel liest man einmal aus der Sicht des kleinen Jungen. Man erfährt seine Gedanken, seine Kindersorgen und seine familiäre Situation.
Man fängt an die kleine Familie, in der er lebt, lieb zu gewinnen und nach zu fühlen, was sie verbindet.
Dann wechselt die Perspektive wieder zu unserem Täter, der den Kleinen nun trifft und man ist fast noch genauso ahnungslos wie der kleine Junge, der grade fröhlich und mit völliger Sicherheit in seinen Tod läuft.
Man erfährt die Lust und Erregung des Täters, die einem den Ekel in die Knochen treibt, bis die Perspektive wieder zu dem kleinen Jungen übergeht, der die schlimmsten Stunden seines Lebens durchzustehen hat.
Ich musste das Buch teilweise beiseite legen, da mir in einer wie oben genannten Situation wirklich unwohl wurde.
Aber auch die Eltern des armen Kindes werden nicht vergessen.
Man erfährt ihre Sorge, ihre Angst, ihre Panik, ihre Trauer und ihre Verzweiflung. Das alles nimmt einen ziemlich mit, da die Beziehung zu den Eltern und ihrem Sohn so bewegend beschrieben ist, dass man ihre Sorge und Verzweiflung schon fast mit fühlen kann.
Ich hab hier mal ein paar Ausschnitte für euch :
"Langsam zog sich Benjamin das T-Shirt über den Kopf.
>>Die Unterhose auch<<, sagte Alfred und beugte sich ein Stück weiter vor.
Durch eine Öffnung in der Gardine, die über dem Bett am Fenster hing, konnte Benjamin den Himmel sehen. Er hatte die Unterhose ausgezogen und lag jetzt völlig nackt da.
>>Es schneit<<, sagte er leise. >>Bald ist Weihnachten.<< Und dann fing er an zu weinen." (S.52)
"Bitte, bitte, bitte, bitte, lieber Gott, mach dass ein Wunder geschieht, betete Benjamin, mach, dass mein Papa mich findet und dass er kommt und mich hier rausholt. Bitte, mach, dass er mir hilft. Bitte, bitte, bitte, lieber Gott !" (S.55)
...
"Bitte, bitte, lieber Gott, hilf mir ! Ich will auch keine Katze mehr. Ich trage auch jeden Tag den Mülleimer runter. Ein ganzes Jahr lang jeden Tag. Ich mache, was du willst. Bitte, bitte, lieber Gott, du hast doch bestimmt eine Idee, du findest doch einen Ausweg ! Oder wenn nicht, dann mach das ich tot bin." (S.55)
Die Hauptgeschichte dreht sich aber eigentlich nicht um diesen Mörder, sondern eher um Anne, die nun ein Haus in der Toscana gekauft hat, um ihrem Sohn, der damals vor 10Jahren dort spurlos verschwunden ist, ein wenig näher zu sein und eventuell endlich dem Geheimnis, um sein Verschwinden, auf die Spur zu kommen.
Auf ihrer Suche kommt sie unserem Killer unglaublich nah, ohne auch nur zu ahnen, wie nah sie dem Mann kommt, der für all ihr Leiden vor 10Jahren verantwortlich ist.
Im Laufe der Geschichte, merkt man, wie beängstigend einfach wir anderen Menschen durch wenige Sätze unser Vertrauen schenken und unter welchen "Masken" sich solche "Monster" verstecken können.
Mir gefällt die Geschichte sehr, da ich sie sehr real finde und in dem Buch nichts, wirklich nichts beschönigt wird.
Vorallem gefällt mir das Ende sehr gut, auch wenn es vielleicht nicht das "Happy End" ist, auf das man hofft.
Aber ein "Happy End" in einem solchen Buch wäre auch irgendwie absurd gewesen.
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Anabell